Mit einer langen Wunschliste von insgesamt 54 ukrainischen Kindern und Jugendlichen, die nach Clausthal-Zellerfeld geflüchtet waren, machte sich der Verein Bürger helfen Bürgern auf den Weg nach Goslar. Ziel war es, dringend benötigte Sport- und Schwimmbekleidung zu besorgen, damit die jungen Geflüchteten am Schul- und Vereinssport teilnehmen können. Finanziert wurde der Einkauf unter anderem mit etwas mehr als 1.000 Euro aus dem Spendentopf der Goslarschen Zeitung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz. Darüber hinaus standen dem Verein weitere Spendengelder aus einer eigenen Sammelaktion zur Verfügung, sodass insgesamt rund 5.000 Euro für Sportbekleidung und Schulmaterialien bereitgestellt werden konnten.

Der Einkauf im Sportgeschäft war jedoch alles andere als einfach. Über dreieinhalb Stunden suchten die Vereinsvertreter – darunter Gerd Cronjäger, Markus Reith und Andrea Duit-Reith – gemeinsam mit betroffenen Familien passende Kleidungsstücke aus. Auf der Liste standen unter anderem Schwimmbekleidung, Turnschuhe, Sporthosen und -oberteile. Eine besondere Herausforderung waren die unterschiedlichen Größen, da sich ukrainische und deutsche Konfektionsangaben teils erheblich unterscheiden. Drei ukrainische Mütter begleiteten den Einkauf und berieten, was den Kindern aus ihrer Heimat vertraut und angenehm ist – etwa bei der Frage nach enger oder weiter Badebekleidung.

Unterstützt wurde die Verständigung von Mila Lutsiuk, die selbst aus der Ukraine stammt und seit Jahren in der Region lebt. Sie half als Ansprechpartnerin und Übersetzerin, damit die Wünsche der Kinder genau umgesetzt werden konnten. Andrea Duit-Reith berichtete, dass sich viele der Kinder besonders für Schwimmkurse interessierten. Da es coronabedingt noch Verzögerungen im Schwimmunterricht gab, plante der Verein zusätzlich eigene Angebote, unter anderem im Erlebnisbad in Festenburg. Andere Kinder entschieden sich für Sportarten wie Turnen, Tischtennis oder Badminton. Einige Jungen fanden sogar Anschluss an eine Fußballmannschaft in Clausthal-Zellerfeld, wo sie beitragsfrei trainieren dürfen.

Eine große Unterstützung kam auch vom Sportgeschäft selbst: Die Geschäftsführung gewährte dem Verein einen Sonderrabatt von 50 Prozent auf den Einkauf. Abteilungsleiter Benjamin Acar stand beratend zur Seite und half bei der Auswahl. Dennoch blieb insbesondere bei Schwimmbekleidung noch weiterer Bedarf, da durch Umbauarbeiten nicht alle Artikel verfügbar waren. Andrea Duit-Reith kündigte an, auch andere Geschäfte in Goslar und Clausthal-Zellerfeld einzubeziehen, um die Ausstattung vollständig sicherzustellen.

Neben Sportkleidung benötigen die Kinder auch Schulmaterialien. Deshalb plant der Verein weitere Einkäufe, um unter anderem Federmäppchen und andere Lernutensilien bereitzustellen. Für Bürger helfen Bürgern steht fest: Die Unterstützung soll nicht nur kurzfristig helfen, sondern langfristig Integration ermöglichen. Sport und Schule bieten den Kindern Struktur, Gemeinschaft und ein Stück Normalität in einer schwierigen Lebenssituation.

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